Biomutant im Test – Spannendes Setting & Ideen mit vielen Problemen

Biomutant

2017 wurde mit Biomutant ein Spiel angekündigt, das für viel Aufsehen sorgte. Die Open World und das damit verbundene Setting sahen vielversprechend aus, aber auch die Customization Optionen sollten für viel Abwechslung sorgen. Generell setzt das Spiel auf sehr viel Freiheit im Gameplay, mit dem ihr euch in eine ganz individuelle Richtung bewegen könnt. Das alles hört sich wirklich gut an, doch kann das Spiel den Erwartungen der Fans gerecht werden? Finden wir es im Test gemeinsam heraus. 

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Eine apokalyptische Welt 

Das Schöne an Biomutant ist die Spielwelt, in die euch der Titel entführt. In der Open World streift ihr durch teilweise karge Landschaften, die von der eingehenden Apokalypse in Mitleidenschaft gezogen worden, findet aber auch diverse Dörfer, Unterschlüpfe, dichte Wälder, Flüsse oder auch die ein oder andere gefährliche Ortschaft, die durch die Umwelt beeinflusst worden sind. Die Idee hinter der Welt ist durchaus interessant. Diese beschäftigt sich mit der Frage: “Wie sieht die Welt aus, nachdem diese durch die Beeinträchtigung der Umwelt durch die Menschen vernichtet wurde?”. Überall findet ihr Hinterlassenschaften und alte Ruinen, die früher mal lebendige Städte gewesen sind. Mit der Zeit sind die Lebewesen mutiert, Sprachen haben sich verändert und auch die Lebensweise ist teilweise nun eine komplett andere. Da die altbekannten Begriffe für Maschinen oder andere Dinge in Vergessenheit geraten sind, haben die Bewohner der Welt neue Begriffe geschaffen, die euch zum Schmunzeln bewegen. Eine Waschmaschine heißt somit nun “Kleidernässer”, während eine Mikrowelle als “Funkenbrutzler” bezeichnet wird.  

Das Setting ist also schonmal vielversprechend, doch wird dieses auch immersiv herübergebracht?
Leider kommt der Titel hier ganz schnell an seine Grenzen. Biomutant ist für OldGen Konsolen entwickelt worden, was sich schnell an der Technik bemerkbar macht. Die Texturen wirken verwaschen und auch an Detailreichtum mangelt es dem Titel. Viele Assets werden wiederverwendet und auch innerhalb von begehbaren Gebäuden finden sich nur ein paar Schränke. Hier hätte man noch etwas mehr Details in die Welt einbringen können, um Spieler komplett abzuholen.  

Auch spannende Aktivitäten gibt es nur wenige. In der Welt grast ihr Ortschaften ab, sammelt Loot aus den Schränken, zerstört Gegenstände, um an Craftingmaterial zu kommen, oder vermöbelt ein paar Gegner. Es gibt auch ein paar (Schalter)-Rätsel, die jedoch alle fast immer nach dem selben Schema ablaufen und euch nicht ausgiebig fordern. Wirkliche einzigartige Interaktionen sollten hier nicht erwartet werden. Das Spiel fällt somit wieder eher in die Richtung bekannter Open World Systemantiken, wie man es aus anderen Genrevertretern kennt.  

Das ändert aber nichts an dem Fakt, dass ihr es in Biomutant mit einem unverbrauchten und interessanten Setting voller abwechslungsreicher Schauplätze zutun bekommt. Manche davon enden in radioaktiv verseuchten Zonen, die nur mit einer gewissen Anzahl an Resistenzen betreten werden können. Einzig und allein die Aktivitäten in der Welt und der Detailgrad hätte noch ein wenig angehoben und spannender gestaltet werden können.  

Euer persönlicher Waschbär-Panda Mix 

In Biomutants Welt spielt ihr einen von euch frei kreierten Waschbär-Panda Mix, den ihr zu Beginn des Spiels nach euren eigenen Wünschen formen könnt. Möchtet ihr eher mit einem kraftvolleren Charakter alles auf eurem Weg umhauen oder doch lieber das redegewandte Kommunikationsbündel sein? Wer das Pendel in eine Richtung ausrichtet, entscheidet, mit welchen Eigenschaften euer putziger Charakter das Spiel startet. Das Aussehen verändert sich darüber hinaus auch und hängt davon ab, welche Attribute ihr vergeben habt. Verteilt ihr viel auf Stärke läuft das Aussehen vielmehr auf breite Schultern hinaus. Spieler mit viel Intelligenz-Werten werden mit einem dicken Kopf beglückt. Das ist aber nur eines von vielen Beispielen, die möglich sind. 

Neben den Eigenschaften wählt ihr zudem Herkunft und Klasse aus. Folglich startet ihr auch mit anderen Waffen oder Fähigkeiten, was davon abhängig ist, welche Startklasse ihr gewählt habt. 

Das Konzept klingt zunächst sehr vielversprechend und suggeriert jede Menge Freiheiten. Leider ist dies im Laufe des Spiels aber nicht ganz so gelungen. Starke Auswirkungen haben die unterschiedlichen Eigenschaften auf euer Handeln nicht wirklich und andere Waffen bzw. Fähigkeiten schaltet ihr im Laufe von Biomutant ebenfalls frei.  

Gut oder böse? 

Da hören die Probleme von Biomutant aber nicht auf. Relativ früh teilt euch das Spiel mit, dass ihr mit euren Tätigkeiten eine Richtung einschlagen könnt. Wer viel Gutes tut, Leuten hilft und immer nette Antworten gibt, erhöht seinen Lichtwert. Umgekehrt ist dies natürlich auch möglich und ihr verfallt mehr der dunklen Seite (auch wenn euch die Charaktere im Spiel stets mitteilen, dass man lieber den Weg der hellen Seite nehmen sollte…). 

Hat dies nun aber Auswirkungen auf den Verlauf des Spiels und die Geschichte? Nicht wirklich… Genaugenommen beschreibt dieses System im Kern nur, welche Fähigkeiten ihr freischalten könnt. Mit genügend Lichtpunkte gibt es eine Art Psychokinese und mit ausreichend dunklen Punkten wird eine schwarze Explosion möglich. Im Story Verlauf sollte also nicht damit gerechnet werden, dass euer Handeln einen komplett anderen Handlungsbogen aufdeckt. Die Geschichte verläuft zunächst immer gleich. Es gibt dann aber vielleicht doch einen kleinen Unterschied… 

Welcher Clan darf es sein? 

Zumindest im ersten Durchlauf von Biomutant habt ihr die Wahl euch einem von zwei Clans anzuschließen und die Bandenkriege zu unterstützen. Aber auch hier wird es schwierig das von den Machern vorgesehene Konzept in die Tat umzusetzen. Ihr könnt natürlich gegen andere Gruppierungen vorgehen, mit Bösem im Sinn den eigentlichen Handlungsverlauf komplett ignorieren und die Zerstörung der Welt unterstützen. Im Grunde genommen gibt es aber nur diese zwei Wege: Entweder ihr besiegt die Bosse und rettet die Welt oder ihr ignoriert es und rottet andere Fraktionen aus. Alles dazwischen wird zwar von dem oben erwähnten Gut und Böse Feature berücksichtigt, wirkt sich aber wenig bis gar nicht auf den Weg aus, den ihr zu Beginn des Spiels gewählt habt.  

Habt ihr euch einem Clan angeschlossen gilt es die Gebiete, in den die anderen Gruppen herrschen, einzunehmen. Dies geschieht, indem ihr deren Basen in kleinen Eroberungsschlachten einnimmt und euch so Gebiet für Gebiet vorkämpft. Am Ende winkt eine für den Clan spezifische und besondere Waffe, die ihr als Dank euer Eigen nennen dürft. 

Waffenvielfalt dank Crafting System 

Apropos Waffen: Besonderen Fokus haben die Entwickler in ihrem Erstlingswerk auf das Crafting-System gelegt. Ihr findet in den Ruinen der Welt allerlei interessante oder weniger interessante Gegenstände, die ihr zu einer Waffe fusionieren könnt. Eine Klobürste als Knüppel verwenden? Kein Problem. Dank der umfangreichen Herstellungsmechanik könnt ihr die ungewöhnlichsten und lustigsten Kombinationen zusammenbasteln und damit in die Schlacht ziehen – mal mehr und mal weniger effektiv. 

Im Crafting-System punktet das Spiel also. Wäre da nur nicht das Problem mit dem Kampfsystem an sich… 

Kämpfe mit Problemen im Trefferfeedback 

Versteht mich nicht falsch: Biomutant liefert unzählige Waffenarten und einige tolle Skills, die ihr in den Gefechten verwenden könnt. Kombiniert mit Magiefähigkeiten und den Fernkampfwaffen könnt ihr schon so einige tolle Kombos auf den Bildschirm zaubern. Allerdings mangelt es dem Spiel an Trefferfeedback gerade im Nahkampf. Eure Widersacher reagieren eigentlich so gut wie nie auf einen Treffer, bleiben stumpf stehen und geben einen Gegenangriff, was dazu führt, dass ihr eure Kombo selten oder nie zu Ende führen könnt. Auch an einem allgemeinen “Wumms”-Gefühl bei Treffern fehlt es im Kampf. Der Weg zum Erfolg? Alles auf Fernkampf setzen. Dank unendlicher Munition könnt ihr zahlreiche Magazine auf die Feinde ballern und ordentlich Schaden austeilen.  

Leider führte diese Erkenntnis in meinem Spielverlauf dazu, dass ich in den meisten Fällen nur noch auf Schießerei aus war, anstatt die coolen und schön designten Nahkampf Kombos zu nutzen. Sicherlich haben diese trotzdem ihre Daseinsberechtigung, gegen kleinere einzelne Gegner funktioniert das auch soweit ganz gut. Es wäre aber ein wenig sinnvoller gewesen, wenn man das Trefferfeedback noch ein wenig überarbeitet hätte, denn gerade, wenn man gegen die vielen größeren Minibosse antritt, macht der Kampf aus der Nähe nicht mehr allzu viel her.  

Anmerkung: Die hier verwendeten GIFs repräsentieren nicht die finale Auflösung und FPS. Aufgrund der Dateigröße wurden hier Abstriche in der Qualität der GIFs vernommen.

Erzähler bringt neue Ideen mit, die schnell öde werden 

Eine weitere interessante Idee von Biomutant, die die Macher ins Spiel brachten, ist die Verwendung eines Erzählers, der euch auf eurer Reise begleitet. Aufgrund der verehrenden Katastrophe, die die Welt von Biomutant heimgesucht hat, haben sich viele einzelne neue Sprachen gebildet, die unser Tierchen nicht mehr versteht. Da kommt der Erzähler ins Spiel, der gleichermaßen als Dolmetscher fungiert und für euch die Sprache des Spiels übersetzt. Bei jedem Gespräch steht euch der Sprecher zur Seite und informiert euch darüber, was euch euer Gegenüber gerade mitteilen möchte. Auch kommentiert er viele Orte, die ihr beim Erkunden besucht und gibt euch wertvolle Tipps … oder? 

Nun ja teilweise ist das so, manchmal kann der Erzähler aber auch ein wenig an den Nerven zerren, vor allem, wenn ihr die schöne Atmosphäre der Welt genießen möchtet. Oft wiederholt er sich oder trägt mit seinen teilweise seltsamen Eingebungen nicht wirklich dem Spielgeschehen bei. 

Das große Problem hierbei sind auch die Charaktere im Spiel, die der Erzähler für euch übersetzt. Die Dialoge der Gesprächspartner sind oft mehr seltsam als aussagekräftig und äußerst uninteressant.  

Es ist zwar möglich die Häufigkeit der Kommentare des Sprechers nach Belieben runterzuschalten, ganz stummschalten, kann man ihn aber leider nicht. Natürlich ist das häufig auch wieder persönliche Geschmackssache. Für viele mag der Erzähler eher nerven, andere wiederum können ihn sicherlich als persönlichen und sympathischen Begleiter durch die Welt sehen. Für Letzteres fehlt aber die nötige Würze, die ihm einen besonderen Charakter verleiht. Eigentlich leiert er nur die Texte der Lebewesen runter. Eine noch stärkere Integration ähnlich wie in einem Stanley Parable wäre hier mehr aufgegangen. Stellt euch mal vor er würde absichtlich mit euch spielen und die Aussagen der Lebewesen falsch übersetzen, wie interesannt wäre das gewesen? Aber leider ist dem nicht so. Wir können jedoch mit Sicherheit sagen, dass diese Idee auch etwas Besonderes mit sich bringt, was aber aus den genannten Gründen nicht für jeden aufgehen dürfte. 

Die Story und das große Problem 

Wie oben schon des Öfteren angerissen, wurde der Planet von einer großen Umweltkatastrophe heimgesucht, was zu vielen Mutationen und neuen Sprachen führte. Die Welt und das Setting der apokalyptischen Welt ist definitiv ansprechend, auch wenn diese aufgrund weniger Details nicht immer zu 100% überzeugt.  

Hauptsächlich dreht sich alles um den Baum des Lebens in der Mitte der Karte, welcher zu verwelken droht, da die Weltenfresser, die gleichzeitig als Bosse im Spiel dienen, mit ihren Machenschaften den Untergang der Welt herbeisehnen.  

Ziel des Spiels ist es also als Held hervorzutreten, die Bosse zu bezwingen und die Welt zu retten oder das alles zu ignorieren und die Welt als Mitglied eines bösen Clans ins Chaos zu stürzen. Nebenbei folgen wir noch einer kleinen Rachegeschichte an dem Mord der Familie des Hauptcharakters. Leider mangelt es Biomutant aber seine Story möglichst interessant rüberzubringen. Das liegt an die vielen bereits angesprochenen Problemen mit den fehlenden interessanten Charakteren, dem Erzähler, der Gespräche stellenweise nur in die Länge zieht, dem Kampfsystem, das mit Problemen im Trefferfeedback daherkommt oder den langweiligen Nebentätigkeiten, die den Spielfluss nur weiter strecken. Außerdem gibt es keine spannenden Momente oder Wendungen, die die Handlung so richtig interessant machen. Alles verläuft im Nichts und ist vorhersehbar.  

Trotzdem gibt es auch gute Momente mit der Geschichte, denn die Welt ist mit unterschiedlichen Biomen und Gegenden wirklich abwechslungsreich gestaltet. Viel zu sehen gibt es also allemal. Auch die Weltenfresser Bosse punkten mit unterschiedlichen Mechaniken. Mal müsst ihr diese in einem riesigen Roboter bezwingen oder unter Wasser kämpfen. Wer weiter fortschreitet, schaltet zudem diverse Fortbewegungsmittel wie ein Bot, den erwähnten Roboter oder Mounts frei. Manche davon können mit neuen Gegenständen sogar verbessert werden.  

Fazit 

Biomutant ist ein Spiel, das viele Ideen mitbringt, aber keine davon so richtig zu Ende denkt bzw. zu einem sinnvollen Abschluss bringt. Es hat gute Momente, aber auch viele, die dem Spiel nichts Gutes tun. Es fällt mir daher unheimlich schwer dieses Spiel zu bewerten.  

Da bei Biomutant besonders viel auf persönlicher Ebene stattfindet und die Inhalte des Spiels von jedem Spieler anders aufgenommen werden, habe ich mich dazu entschieden, keine Punktzahl zu vergeben, die das Spiel in ein schlechtes Licht stellen würde. Stattdessen zähle ich nun ein paar Punkte auf, welche Spieler trotzdem einen Blick auf Biomutant wagen können. 

Ja Biomutant hat sehr viele Schwierigkeiten, ist es aber deswegen ein schlechtes Spiel? Eigentlich kann man durchaus seinen Spaß damit haben, wenn man die vielen Kritikpunkte nicht allzu streng sieht. Bist du also jemand, der mehr Wert auf eine schöne Atmosphäre und eine unverbrauchte sowie interessante Welt legt? Möchtest du dich von der einfachen & unkomplizierten Handlung des Spiels in den Bann ziehen lassen? Dann schau dir Biomutant gerne einmal an. 

Sind dir Progress, Kämpfe, durchdachte Systeme und eine Geschichte mit vielen interessanten Charakteren und Wendungen aber wichtiger als die Open World und das Setting? Dann machst du lieber einen Bogen um das Spiel. 

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Alex

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Hallo zusammen, ich bin Alex, Chefredakteur und Leiter von Playwave. Auf dieser neuen Seite möchten wir dich täglich mit den neusten News aus dem Gaming Segment versorgen. 🙂