NieR: Replicant ver.1.22474487139 im Test

NieR: Replicant

2010 sorgte Square Enix mit einer kleinen Rollenspiel Perle für Aufsehen. NieR kam hierzulande 2010 in der Gestalt Version für PlayStation 3 auf den Markt und konnte viele gerade mit seiner tollen Story begeistern. Leider wurde die damals schon altbackene Grafik von vielen nicht akzeptiert und auch das sperrige Gameplay war vielen ein Dorn im Auge. NieR blieb 2010 somit nur ein Geheimtipp. 11 Jahre später, im April 2021, wurde ein Versionsupgrade mit NieR: Replicant veröffentlicht, um mehr Spieler anzusprechen. Man überarbeitete Grafik, Dialoge, Charaktermodelle und vor allem das Kampfsystem, um dem hoch gelobten System von NieR Automata gerecht zu werden. Die damals schon starken Punkte wie die Story bleibt aber beim Alten. Im Gegenteil, man findet in der neuen Version sogar ein erweitertes Kapitel vor sowie ein weiteres Ending. Doch kann das Versionsupgrade “NieR: Replicant ver.1.22474487139” tatsächlich begeistern und ist es so viel besser als das Original? Nun…. erfahrt es im Test.

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Die große Stärke ist und bleibt die Story

Sind wir ehrlich, schon damals blieb das Spiel vielen für die geniale Story und die wunderbar geschriebenen Charaktere in Erinnerung. Das ändert sich auch heute nicht. Klar, wir spielen nicht mehr Papa NieR, sondern Bruder NieR, da nicht die westliche Gestalt Version von 2010 ein Upgrade bekommen hat, sondern die japanische Replicant Version, aber das tut der Story nicht weh. Gerade Neulinge sollten damit keinerlei Probleme bekommen. Ungewohnt wird es eher für diejenigen, die das Original kennen- und lieben gelernt haben.

In der Geschichte wird ziemlich schnell klar, dass der Protagonist ein Heilmittel für seine schwerkranke Schwester Yonah finden möchte. Diese leidet nämlich an der tödlichen Runenpest und hat nicht mehr lange zu leben. Schattenwesen bedrohen die Welt von NieR und stellen sich euch immer wieder in den Weg. Was es damit auf sich hat, wird im Laufe der Story nach und nach geklärt. Auf eurem Weg trefft ihr auf jede Menge wirklich interessante Charaktere, die alle ihre eigene Background-Story haben und sich dementsprechend verhalten. Nehmen wir als Beispiel Kainé, eine wirklich vulgäre Massaker-Queen in Unterwäsche, die kein Blatt vor den Mund nimmt und jeden mit ihrem seltsamen Wortschatz an Schimpfwörtern ins Wanken bringt. Aus diesen seltsamen Charaktereigenschaften kristallisiert sich aber ein wirklich gutmütiges Mädchen, das sich um ihre Freunde kümmert. Alles in NieR hat einen Grund und Kainé ist das perfekte Beispiel dafür.

Die Charaktere sind so gut geschrieben, dass ihr sie sehr schnell beginnt ins Herz zu schließen und mit ihnen mitzufühlen. Leider entfaltet sich die Geschichte erst im späteren Spielverlauf und wird richtig gut. Gerade zu Beginn werden viele durch das langsame Pacing abgeschreckt. In den ersten Stunden seid ihr nur zwischen Person A und B unterwegs und erledigt irgendwelche belanglosen Dinge, die euch immer wieder an die gleichen Orte führen.

Das Konzept, das man das Spiel mehrmals durchspielen muss, um alle Enden freizuspielen und wirklich jedes kleine Storyloch zu füllen, ist ebenfalls kompliziert. Auf der einen Seite macht es das Spiel verständlicher Weise zu etwas ganz Besonderem, das euch noch neuen Content beim erneuten Durchspielen liefert, auf der anderen Seite kommt hier wieder das Problem, mit dem das Spiel ohnehin schon zu kämpfen hat: Das Backtracking.

Wer der Story genug Zeit gibt und sich wirklich dafür interessiert, der bekommt hier einen Story Meilenstein, den es in RPGs so schon lange nicht mehr gegeben hat. Man muss sich aber darüber bewusst sein, dass es dem Gameplay und dem Setting ein wenig schadet, wenn man stets die gleichen Gebiete und Cutscenes auf ein Neues erlebt.

Backtracking noch immer ein Problem

Das große Problem von NieR ist das ständige Backtracking, also dem Wiederbesuchen bereits bekannter Gebiete. Wie oben schon erwähnt, beginnt schon die Story mit dem Hin- und Herlaufen zwischen Person A und Person B. Sobald die Geschichte nach den ersten Stunden in Fahrt kommt, besucht ihr aber einige interessante Orte. Orte wie ein düsteres Dorf in den Bergen, das sich durch wackelige Brücken verbindet, eine Stadt am Meer oder das Wüstendorf bringen Abwechslung ins Setting und verzaubern durch das ungewöhnliche Design.

Spätestens in der zweiten Hälfte kommt aber schnell wieder Ernüchterung auf, wenn es heißt, wieder zu all diesen Orten zurückzukehren und dort neue Ziele zu erfüllen. Im Grunde genommen habt ihr nach der ersten Hälfte des Spiels schon alles gesehen. Was dann aber in der zweiten Hälfte begeistert ist die Story, die sich von hier an stark entwickelt. Auch der Timeskip von 5 Jahren macht das Ganze dann doch etwas interessanter, da sich der junge Protagonist ordentlich entwickelt hat.

Wenn es dann aber heißt das Spiel für weitere Story-Erklärungen und neue Cutscenes nochmal durchzuspielen, kommt es individuell auf den Einzelnen an, ob er sich das schon wieder geben möchte. Aber eins sei euch versichert: Das erste Ende schreit quasi nach einem weiteren Durchlauf, weil man sich zu dem Zeitpunkt schon sehr verbunden zu NieRs toller Story fühlen sollte und einfach wissen möchte, was es noch mit dem und dem auf sich hat. Dank der neuen Version von NieR: Replicant bekommt ihr zudem ein paar neue Goodies wie Kostüme, Soundtracks und mehr, die euch das erneute Durchspielen ebenfalls erleichtern.

Aber auch das neue Kampfsystem steigert den Spielspaß enorm.

Kampfsystem bekommt das Upgrade, das es gebraucht hat

Im Originalspiel fühlten sich die Kämpfe noch sehr sperrig an. Das war ein Knackpunkt, den das Entwicklerteam angehen wollte und die einige Überarbeitungen vornahmen. Jetzt orientiert sich das Kampfsystem stark an dem von NieR Automata: Es gibt Kombos, aufgeladene Schläge, unterschiedliches Moveset für Zweihandschwert, Einhandschwert und Speer, Konter, Ausweichrollen und mehr. Die Magie, die euch euer treuer Begleiter Grimoire Weiss ermöglicht, ist größtenteils gleichgeblieben, hat aber auch ein ordentlich visuelles Upgrade erhalten. Auch das Trefferfeedback fühlt sich jetzt deutlich wuchtiger an. All diese Aspekte ermöglichen deutlich mehr Tiefe in den Gefechten gegen die Schatten und heben den Spielspaß drastisch an.

Wer noch weiter gehen möchte, kann die Waffen upgraden, mit gefundenen “Worten” Statuseffekte zuweisen, Tränke einnehmen, die eure Werte kurzzeitig erhöhen oder unterschiedliche Magie gleichzeitig ausrüsten.

Speziell in den Bossfights hebt sich das neue Kampfsystem positiv hervor. Die Bosse sind teilweise riesig und kommen mit unterschiedlichen Phasen daher. Mit den Überarbeitungen kommt hier deutlich mehr Dynamik in die Bosskämpfe.

Visuelle Verbesserungen & Neuerungen

Neben dem Kampfsystem hat man aber noch weitere Überarbeitungen vorgenommen. Besonders die Grafik sieht jetzt nicht mehr nach PS2 aus so wie es damals der Fall war. Es finden sich mehr Details in der Welt wieder, die Sichtweite wurde erhöht, die Charaktere sind detailreicher gestaltet und die allgemeine Auflösung angehoben. Leider sind wir hier aber noch immer nicht auf dem Niveau von anderen Triple A Produktionen aus der heutigen Zeit. Viele Texturen sind immer noch verwaschen und einige Details sind teilweise noch so geblieben wie im Original.

Trotzdem können Spieler sich auf weitere Neuerungen freuen. Es gibt nun neue Waffen, die an NieR Automata erinnern sowie Outfits und sogar ein komplett neues Story Kapitel, das nahtlos in die eigentliche Geschichte übergeht.

Der wundervolle Soundtrack ist aber noch geblieben. Wie in Automata bietet NieR: Replicant einige wunderschöne Lieder, die in den verschiedenen Abschnitten spielen. Manche wurden sogar noch erweitert und verbessert, die nun noch schöner klingen als je zuvor. Gänsehautgarantie ist geboten.

NieR: Welches Genre bist du eigentlich?

Dass NieR ein besonderes Spiel ist, das viele Eigenarten mit sich bringt, ist bereits durch die Gestaltung der Story klar. Noch deutlicher wird dies aber durch das Gameplay, das es facettenreicher in keinem anderen RPG gibt. Das Spiel ist mehrere Spiele zugleich – im Kern ein Third-Person Action RPG, manchmal aber auch ein Top-Down Shooter, ein 2D Jump & Run, ein Text-Adventure, ein Horrorspiel a la Resident Evil oder Angel- und Gärtnersimulator, wenn man so mag.

All diese Eigenschaften machen NieR zu einem Erlebnis, das jedem Spieler in Erinnerung bleibt, sei es positiv oder negativ.

Nebenquests: Von interessant bis stink langweilig

Die Sidequests aus NieR: Replicant sind noch treu dem Original aus dem Jahre 2010 geblieben. Man darf daher keine tollen Nebengeschichten erwarten. Zu 80% der Fälle sind die Nebenquests reine Fetch-Quests, bei denen ihr Materialien in der Welt sammeln und dem Questgeber abliefern müsst, damit dieser ein neues Gericht kochen oder seine Freundin mit einem Geschenk beglücken kann etc.

Manche wenige Quests sind dann aber doch etwas interessanter erzählt und ermöglichen euch neue Features wie das Reiten eines Wildschweins oder gewähren euch Zugriff auf neue Waffen.

Oft werdet ihr aber nur mit Geld belohnt und es kann auch vorkommen, dass sich euer Questgeber aus dem Staub macht und ihr dann ohne Belohnung dar steht.

Ein großes Problem gibt es dann aber doch wieder, und zwar, wer hätte es sich gedacht, das erneute Backtracking. Gerade in der ersten Hälfte ist dies sehr anstrengend, da ihr zu dem Zeitpunkt noch keine Schnellreise Option habt. Die Quest kann dann beispielsweise aussehen:

Yonah hätte gerne eine Melone, die es nur in der Wüstenstadt gibt. Ihr lauft also los und rennt zur Wüstenstadt, um dort eine Melone beim Händler zu kaufen. Dann heißt es den Weg wieder zurückzurennen und eurer Schwester die Melone zu übergeben. Jetzt stellt sich heraus, dass sie zusätzlich gerne eine Honigmelone hätte, die es ebenfalls nur in der Wüstenstadt beim gleichen Händler gibt… Also wieder los zur Wüste, Honigmelone kaufen und zurück zu Yonah. Zum Schluss darf man dem Mädchen noch einen Kürbis besorgen und hier dachte ich mir wirklich, ob das jetzt deren Ernst ist. Zum Glück konnte man den Kürbis im Heimatdorf kaufen, sodass ich nicht ein drittes Mal zur Wüstenstadt rennen muss.

Anhand der vielen Fetch-Quests kann man empfehlen, sich hauptsächlich auf die Story zu konzentrieren, da man hier nicht viel verpasst. Nur, wer wirklich alle Enden freispielen möchte, muss alle Nebenquests abschließen, da ihr sonst nicht an alle Enden kommt. Manche Nebenquests ergeben nach dem zweiten Durchlauf im Übrigen wieder Sinn und geben euch eine neue Perspektive auf das Geschehen.

Fazit

Es fällt mir wirklich schwer NieR: Replicant zu bewerten. Das Spiel ist etwas sehr Besonderes, das es in dieser Form nicht so häufig gibt. Entweder man liebt NieR für seine spezielle Art des Genremixes, des mehrfachen Durchspielens etc. oder man hasst es dafür. Rein objektiv betrachtet bietet NieR: Replicant sehr viel Abwechslung, die durch all diese Features ermöglicht werden. Der einzig große Motivationskiller findet sich im Backtracking wieder, da die Auswahl der Gebiete doch sehr begrenzt ist. Auch die Nebenquests sind wirklich nicht das Gelbe vom Ei und können teilweise getrost ignoriert werden, da sie meistens weder interessant erzählt werden und mit dem Problem des Backtrackings in Verbindung stehen.

Wer darüber hinwegsehen kann und sich auf NieR einlässt, der bekommt eine wirklich großartige Story mit wunderbar geschriebenen Charakteren geboten. Auch der Soundtrack sorgt für Gänsehaut und ist einfach Gold für die Ohren. Das neue dynamischere Kampfsystem sorgt ebenfalls für wuchtigere Kämpfe und dementsprechend mehr Spielspaß. Alles in Einem hat NieR seine Probleme, kann in Summe für das, was es bietet, aber voll überzeugen. Jeder RPG Fan sollte dem Spiel eine Chance geben, denn sonst verpasst er eine überzeugende Story mit tollen Charakteren in einer düsteren Welt.

Wir vergeben daher 8/10 möglichen Spiele-Wellen. 🌊

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Alex

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Hallo zusammen, ich bin Alex, Chefredakteur und Leiter von Playwave. Auf dieser neuen Seite möchten wir dich täglich mit den neusten News aus dem Gaming Segment versorgen. 🙂